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Bikerfallen – so geht es einem Opfer heute!

Ich weiß, dass Bikerfallen ein sehr ernstes Thema sind, um die noch ganz frische Bikesaison zu beginnen. Es hat mir jedoch keine Ruhe gelassen, weshalb ich finde, je früher man darüber spricht um so besser, da es vielleicht den ein oder anderen warnen kann.

Nichtsahnend, fragte ich im Dezember Steffi, eine befreundete Bikerin, die schon bei der Bosch eMTB Challenge in Riva mit mir bei der Siegerehrung auf der Bühne stand und die ich dann richtig beim Womensbikecamp in Saalbach kennen gelernt habe, ob wir uns im nächsten Jahr in Reschen bei einem Camp wiedersehen und zusammen die Trails unsicher machen.

Was als Antwort von Steffi zurück kam und was wir noch miteinander schrieben könnt Ihr nachfolgend in einem Textauszug lesen:

Nichts würde ich lieber tun als mit Dir im nächsten Jahr wieder Trails zu surfen aber:

Ich bin im Urlaub wegen einer Radfalle schwer gestürzt und vor allem die linke Hand hat schwer gelitten. Ich habe gerade die zweite OP hinter mir und bin in Reha. Ich bin diesmal zuversichtlich wieder aufs Bike zukommen. Ich hatte echt super super Glück.

Gelesen habe ich ja immer wieder von Bikerfallen aber bisher kannte ich niemand persönlich, der in eine solche gefahren und tatsächlich auch schwer gestürzt ist. Ich war also wirklich entsetzt und auf meine fassungslose Rückfrage wann, was genau, wo das passiert ist und ob sie den Täter erwischt haben, schrieb sie dann folgende Antwort:

Passiert ist mir das letzten August im Bike-Urlaub in Südtirol. Bei der Bergab-Fahrt wurde kurz hinter einer Kurve der Trail  zugebuddelt und Steine davor gelegt – Faust groß waren die. Ich konnte nicht mehr reagieren und verlor die Kontrolle übers Bike. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich mich überschlage, dann war ich wohl schon bewusstlos.  Am Vortag sind wir sogar noch die gleiche Strecke gefahren – ohne Probleme. Da kann/sollte man sich scheinbar einfach nicht darauf verlassen.

Alle Protektoren haben gehalten was abzuhalten war, so dass ich mit Prellungen und Kratzern davon kam. Nur meine Hände hatten leider keine Protektoren. Ich hatte 5 Brüche in der linken Hand, ein Fingerknochen abgerissen und zerschmettert… daran je wieder einen Lenker zu halten, war am Anfang überhaupt nicht zu denken.

Ich habe im Nachhinein eine Anzeige gegen Unbekannt aufgegeben, aber ansonsten nichts weiter unternommen. Ehrlich gesagt, war ich bisher mit mir und meiner Gesundheit beschäftigt. Außerdem fühlt man sich hilflos in so einer Situation.

Ich habe auch versucht alles möglichst im engen Kreis zu halten – hat mich zu sehr belastet das Ganze und wollte mich auf meine Genesung konzentrieren. 

Nachdem ich wirklich mit Tränen in den Augen gelesen habe, wie jemand so nettes und lebensfrohes in seinem Lieblingssport im Urlaub sowas erleben muss und quasi sich in Sekunden alles für immer ändern kann, konnte ich es einfach nicht fassen, dass eine Person, die das vorsätzlich verschuldet und in Kauf genommen hat, einfach so davon kommt.

Auch war meine Reaktion sofort – man darf dieses Thema nicht totschweigen und sollte nicht nur dem Thema, sondern auch dem Opfer einmal ein Gesicht gegeben. Schließlich ist so eine Falle sehr schnell gebaut, jedoch die Folgen, können ein Leben für immer verändern oder es schlimmstenfalls sogar auslöschen!

Ich antwortete Steffi also fassungslos weiter: “puh mensch das hätte ja noch viel viel schlimmer ausgehen können. Und konntet Ihr Fotos oder Videos machen von der Stelle des Anschlags damit man den Täter eventuell erwischt?

Ja dieser Ausgang ist echt Glück im Unglück – das hätte ganz anders ausgehen können. Ich habe leider das Video meines Freundes von der Trailabfahrt gelöscht, da ich mir den Sturz nicht ansehen konnte. Als ich sah wie ich mich da überschlagen habe und er zu mir kam und ich bewusstlos da lag…Ich bin direkt auf löschen, ohne einen Sekunde nachzudenken! In dem Moment hatte ich einfach nicht darüber nachgedacht wie wichtig das mal sein könnte…!

Da es auch mir oder anderen Mountainbiker einmal ebenfalls so gehen könnte, entschieden wir uns gemeinsam dazu, einen Beitrag über die Erfahrungen von Steffi zu veröffentlichen. Ich fragte daher Steffi noch weiter Löcher in den Bauch:

Wie wurdest Du denn vor Ort gerettet?

Die Straße war nicht mehr weit von der Unfallstelle entfernt, so dass ich mich bis dorthin geschleppt habe. Wir hatten Glück das ein Transporter kam, der mein Bike und mich aufgesammelt hat. Der Einheimische hatte mir gesagt, er kenne sogar einzelne Leute, die die Fallen aufstellen würden. Er würde dann immer sagen wie scheiße er das findet, aber nichts weiter unternehmen. Ich antwortet ihm darauf, dass man so Leute anzeigen müsse, denn die Täter nehmen jegliche Verletzungen bzw. ein Verunglücken in Kauf…

Jedenfalls scheint es dort bekannt zu sein, aber noch nicht groß außerhalb verbreitet. Die Bauern und Umweltschützer seien seiner Meinung gegen die Mountainbiker.

Und wie hoch sind die Chancen, dass man den Täter doch noch erwischt?

Bei Anzeige gegen Unbekannt geht die Chance oft gegen null. Die sagten sogar: lohnt sich gar nicht die Anzeige überhaupt aufzugeben. Ich habe dies erst in Deutschland gemacht, denn wir waren nach dem Unfall direkt im Krankenhaus. Dort meinten sie, ich müsse so schnell wie möglich operiert werden und wir sollten schnell nach Hause, für sie wäre die OP zu kompliziert. In der Heimat wurde ich auch vom ersten Krankenhaus ins nächste zu einem Spezialisten der Handchirurgie geschickt.

Also fragte ich weiter nach, ob vor Ort die Locals Bescheid wüssten und man da weiter ermittelt bzw. auch warnt vor den Gefahren oder ob ich ggf. einen Kontakt herstellen soll, damit das Thema auch mit den örtlichen Mountainbiker bequatscht und gewarnt werden könnte?

Du kannst mir gerne einen Kontakt geben. Ich wollte das definitiv noch melden, damit Vorort aufgepasst wird bzw. zumindest sensibilisiert wird. Denn es handelt sich um eine extra für Mountainbiker ausgewiesene Strecke. An die große Glocke hängen wollte ich es nicht unbedingt. Die Region ist sooo schön ich will nicht, dass man sie damit in Verruf bringt – es kann ja leider überall und in jedem Land auf jedem Trail passieren.

Was würdest Du nach diesem Erlebnis anders machen und was glaubst Du, wie kann man sich vielleicht besser schützen?

Ich werde sofern ich wieder solche Trails fahren kann, definitiv bei der ersten Abfahrt erstmal die Spur checken, auf den Vortag verlasse ich mich nicht mehr! Ja, sicher kann man sich leider nirgends sein. Ich passe bei der ersten Abfahrt eigentlich immer auf, aber dieses Mal hatte ich mich auf den Vortag verlassen – ein großer Fehler. Generell sollte man natürlich immer aufpassen.

Wie würdest Du Dich heute – rückblickend – an der Unfallstelle verhalten oder anderen empfehlen was sie tun sollten?

Puh das ist eine schwierige Frage. Hätte wenn und aber – würde ich am liebsten antworten. Ich glaube in einer solchen Situation kann man nicht richtig reagieren, sondern nur den Umständen entsprechend agieren. Das Wichtigste ist -bei jedem Unfall- dem Verletzten so schnell und gut wie möglich zu helfen. Fotos machen von der Unfallstelle und eine Anzeige Vorort sind sicherlich sinnvoll – lassen sich vermutlich in einer solchen Situation selten umsetzen. Einen kurzen Moment in sich gehen und einen Plan machen wie man nun vorgeht und nicht in Hektik verfallen, gut wenn man solche Begleiter hat. In jedem Fall aber bitte den Trail wieder fahrbar machen, und wenn nicht möglich, diese Stelle wenigstens erkenntlich machen und wenn möglich melden.

Was würdest Du dem Täter am liebsten persönlich sagen?

Ich würde ihn fragen was ihm mein Unfall nun gebracht hat. Ich wurde ohne Grund in eine Situation gebracht, die auch anders hätte ausgehen können. Ich hab wochenlang kaum erträgliche Schmerzen erfahren. Bin durch Höhen und Tiefen gegangen und muss hart an meiner Genesung arbeiten. Ob ich jemals wieder so fahren kann wie vor dem Unfall steht noch in den Sternen – jedenfalls nicht mehr so unbeschwert, leider! Und was hat er nun davon? Achja, ich würde ihm nichts Schlechtes wünsche, denn so jemand kriegt schon auf anderem Wege zurück was er verdient. Jedenfalls werde ich dieser Tat nicht den Raum geben, den der Täter vielleicht gerne hätte.

Wie fühlst Du Dich heute und was für Emotionen gehen in Dir vor?

Vor einiger Zeit hätte ich noch gesagt: Sollte ich jemals jemanden erwischen einen Trail zu manipulieren – hacke ich demjenigen die Finger mit seinen eigenen Geräten ab. Diese emotionale Wut und Hilflosigkeit in einem – diese Gedanken warum ich – man geht durch ein Gefühlschaos: in dem einen Moment freust du dich über den kleinsten Fortschritt und in dem anderen Moment ist man doch traurig nicht so zu können, wie man will. Natürlich will man dran glauben und auch alles dafür tun, trotzdem ist das aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer leicht. Alle waren biken oder anderen sportlichen Aktivitäten nachgehen, für mich war das alles nicht machbar, da ich den linken Arm nur sehr eingeschränkt nutzen konnte. Auch der Alltag fiel mit einem Arm sehr schwer.

Es ist für mich einfach nicht begreiflich warum man so etwas tut. Wenn man Probleme mit Bikern – aus welchen Gründen auch immer- hat, dann sollte man das anders lösen. Ich denk nicht gern drüber nach wie viel Glück ich gehabt habe und was wäre wenn. Davon muss man sich irgendwann lösen und nach vorne schauen. Ich hatte einen großen Schutzengel und hier hat er seinen Job mehr als getan.

Die Anfangszeit nach dem Unfall war sehr schlimm für mich, die Fortschritte der Genesung hielten sich auch in Grenzen. Erst nach der zweiten OP konnte ich fest an meine Genesung glauben. Es waren natürlich zwischenzeitlich auch immer mal Zweifel da, aber ich habe mir immer gesagt: im Sommer 2018 sitzt du wieder auf dem Bike. Ohne meine Familie und meine engen Freunde hätte ich das nicht so gut weggesteckt. Tausend Dank an meine Liebsten diese Situation  mit mir durchgestanden zu haben!

Wie geht es jetzt bei Dir weiter?

Nun sind bereits einige Monate verstrichen. Ich kann den linken Arm wieder fast ohne Einschränkung nutzen und bin gerade dabei die Kraft aufzubauen. Ich habe ein neues Schätzchen gefunden – mein Highball – ein Hardtail von Santa Cruz das mich jetzt erstmal auf Forstwegen begleiten wird. Und wer weiß, vielleicht kann ich auch irgendwann im Sommer wieder auf die ersten leichten Trails- darauf arbeite ich hin.

Es ist sehr sehr blöd das ich vermutlich nicht mehr so unbefangen Biken kann, aber ich werde definitiv weiterhin alles dafür tun die Trails wieder zu rocken, das ist mein großes Ziel!

Vielen vielen Dank an dieser Stelle an Steffi für ihre Offenheit und emotionalen Einblicke. Ich wünsche Dir alles alles Gute für Deine Gesundheit und drücke alle Daumen, dass wir beide irgendwann vielleicht sogar gemeinsam wieder über einen Trail surfen können voller Freude und ohne Angst!

Wahrscheinlich fragt Ihr Euch, weshalb wir den Ort und den Trail in unserem Text nicht ganz konkret genannt haben. Wir haben uns einfach bewusst dafür entschieden, dass wir der Region in keinem Fall schaden wollen, indem jetzt Biker Angst haben und dort vielleicht nicht mehr in den Urlaub fahren. Denn dann hätte der Täter genau das erreicht, was er mit seiner Bikerfalle erreichen wollte – dass die Trails dort gemieden werden.

Nur so viel, auch ich bin den Trail schon oft gefahren, es handelt sich um einen offiziellen und genehmigten Trail, auf welchem ich so einen Anschlag im Leben nicht erwartet hätte. Bitte fragt uns also nicht nach dem Tatort und respektiert den Wunsch von Steffi, dass wir genau das Gegenteil von dem Tun sollten was der Täter bezweckt – nämlich die Region öffentlich in die negativen Schlagzeilen zu bringen!

Schlagen wir Ihn lieber mit unseren eigenen Mitteln und surfen weiter munter unsere Trails – nun vielleicht mit etwas mehr bedacht – aber weiterhin genussvoll und voller positiver Energie.

Ich finde auch es ist nicht unbedingt nötig den Ort zu nennen – denn es reicht, wenn wir uns bewusst machen, dass es jeden von uns leider überall treffen kann, wie das schlimme Beispiel von Steffi zeigt. Gott sei Dank ist diese Wahrscheinlichkeit unglaublich klein, also brauchen wir uns nicht verrückt zu machen. Trotzdem sollten wir daraus lernen und versuchen bei der ersten Abfahrt auch auf offiziellen Trails lieber das Tempo etwas runterzuschrauben, um sicherzustellen, dass niemand manipuliert hat.

Wie man in obiger Geschichte lesen kann – hat der Trailcheck am Vortag nichts gebracht und jeder Tag ist als neuer Tag zu sehen und birgt neue Risiken, weshalb wir versuchen sollten jeder Zeit vorausschauend auf Sicht zu fahren und mit bedacht unterwegs zu sein.

Aus Steffis Erfahrung kann man auch mitnehmen, wie wichtig die Beweissicherung vor Ort ist! Vermutlich ist das sehr sehr schwer umzusetzen – wenn man schwerverletzt auf einem Trail liegt. Trotzdem ist es für die spätere Ermittlung wichtig Fotos von der Falle zu machen und bestenfalls auch ein Video zu haben, um schnellstmöglich eine Anzeige zu machen.

Vielleicht hilft dieser Bericht sich das ein kleines bißchen ins Bewusstsein zu rufen und im Extremfall daran zu denken, natürlich nur, wenn es der Verletzungsgrad zulässt – denn die Gesundheit geht natürlich immer vor!

Für mich sind Bikerfallen nicht nur gefährliche Körperverletzung, sondern versuchter Mord und auch die Täter sollen mit diesem Bericht sehen, dass einer von ihnen das Leben einer jungen Frau fast zerstört hat. Jeden von uns hätte es treffen können – Mann, Frau, eine Mama, ein Kind, einen Papa usw. und das nur weil sie ein Hobby ausüben das sie lieben und das einem anderen nicht in den Kram passt.

Örtliche Probleme oder Fahrverbote werden durch solche Anschläge auf Mountainbiker nicht gelöst – auch wird sich die Zahl der Biker an diesen Stellen nicht verringern. Ich kann dazu also nur sagen:

Ihr zerstört lediglich das Leben Einzelner, die für Probleme vor Ort oftmals gar nicht verantwortlich sind. Also appellieren wir an Euch, wenn Ihr noch ein kleines Fünkchen Menschlichkeit und Mitgefühl besitzt, die Selbstjustiz sein zu lassen und Eure Probleme im Dialog vor Ort zu lösen – denn es könnten ebenfalls Eure Kinder oder Enkel sein, die in diese Bikerfallen fahren, sich schwer verletzen oder sogar sterben.

Habt Ihr auch schon Bikerfallen gesehen, seid vielleicht sogar Opfer geworden oder habt andere Erfahrungen damit machen müssen? und wenn ja wie geht es Euch heute? Was sagt Ihr allgemein zu diesem Thema wie wir als (E-) Mountainbiker damit umgehen sollen?

Auch Bloggerkollegen haben das Thema bereits aufgegriffen:

http://ciclista.net/fallen-mountainbiker/

Hier habt Ihr noch eine kleine nicht abschließende Auswahl an Hintergrundinfos und Berichten, die ich im Internet zu dem Thema gefunden habe:

Unbekannte stellen lebensgefaehrliche Biker Fallen am Rosskopf

Lebensgefährliche Mountainbike Fallen nun auch in Freiburg

Selbstjustiz – Unbekannte bringen Mountainbiker in Lebensgefahr in Südbaden

Bikerfalle Draht auf Kopfhöhe gespannt-Radler gestürzt

Anschlag mit Seil in Stuttgart-West. Falle für Radler, Fall fürs Morddezernat

Garmisch-Partenkirchen Unbekannte bringen Biker Falle an

Unfall bei Bestwig-gespannte Drahtseile waren in Kopfhöhe

Wanderer entdeckt hinterhältige Falle für Mountainbiker

Bikerfallen- ich denke nicht darüber nach

http://kaernten.orf.at/news/stories/2800739/

Verein hat genug von gefährlichen Biker-Fallen

Das könnte tödlich enden-Unbekannter legt Biker-Fallen im Wald

Schikanen für Velofahrer in Spanien

Unbekannte legen an der Reuss fiese Bikerfallen

Mit Nagelfallen und Spiessen gegen rasende Radler

Nagelbretter und Drahtfallen-Sabotage am Trail ist kein Kavaliersdelikt

Uns allen wünsche ich abschließend eine grandiose und vor allem sturzfreie kommende Bikesaison!!

1 thought on “Bikerfallen – so geht es einem Opfer heute!

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