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Biken in und um Stuttgart – warum mein Zuhause eine wahre Trailhauptstadt ist und keiner darüber spricht.

Biken in und um Stuttgart – warum mein Zuhause eine wahre Trailhauptstadt ist und keiner darüber spricht.

Ja Ihr Lieben, wie Ihr vielleicht wisst wohnen wir in Backnang und das ist nur ungefähr 30 min mit dem Auto oder der S-Bahn von Stuttgart entfernt. Na klar machen wir uns ab und zu auf in die alte Heimat von Micha. Als wir uns kennengelernt haben, hat er nämlich in Gerlingen gewohnt und von dort haben wir sehr oft die Trails rund um Stuttgart unsicher gemacht.

Eigentlich wollten wir ja am Sonntag früh aufstehen, Nino von einem spontanen Übernachtuntstrip bei der Oma aufsammeln und in die schöne Pfalz fahren, um die offiziellen Touren dort mal wieder unter die Stollen zu nehmen.

Nachdem wir aber spontan im Kino waren und den Abend mal ohne Kind ausklingen haben lassen, war klar – wir wollen nicht vor 8:30 Uhr aufstehen. Damit scheidet eine Anreise von 1,5 h in die Pfalz aus. Also hatte ich die Idee: „Hey warum denn in die Ferne schweifen, wenns doch dahoim am schönsten isch?!“

Gesagt getan – morgens schnell die eMTBs und den Streamliner ins Auto geladen, Nino bei Oma aufgesammelt und von Gerlingen aus los auf kleinen aber feinen Trails rund um Stuttgart. Etwas Bedenken hatte ich ja im Vorfeld schon – denn es war ein wundervoller Sommertag – ein Sonntag – mit über 30 C und wir sind also in der Landeshauptstadt auf Trails von unter 2-m-breite und damit illegal unterwegs.

Wieviel Stuttgarter Naherholungssuchende werden uns auf den Trails begegnen? Wie werden diese Begegnungen ablaufen?

Ja und was soll ich sagen wir hatten solch einen Spaß – auf den Trails und den schmalen Wanderwegen begegneten uns meistens – wenn überhaupt – Outdoorsportler die gut gelaunt und fröhlich grüßten. Nur wenige Wanderer waren unterwegs und die Wenigen grüßten ebenfalls nett und freuten sich, dass wir mit Nino im Schlepptau – der fröhlich den Weg frei klingelte – so viel Spaß haben. Regelrechte Besucherströme mit nachfolgendem „Slalomfahren“ mussten wir lediglich auf den breiten offiziellen Spazierwegen zum Biergarten am Bärenschlössle. Das ist übrigens auch bei uns zu Hause so, dass man die meisten Menschen auf den Schotterwegen beim Spazierengehen trifft – jedoch nicht auf den schmaleren Singletrails.

Eine einzige komische Begegnung hatten wir an diesem Tag und diese ließ mich aber nicht mehr los und sie ist auch der Grund, weshalb ich diesen kurzen Beitrag schreiben muss:

Eine Gruppe von 3 älteren Damen begegnete uns auf einem der Wanderwege – die zwei ersten lachten und winkten als Nino fröhlich „Hallo“ rief und als wir fast schon im Schritttempo vorbei waren, schnauzte uns die 3. Frau hinterher: „dat is aber kein Weg auf dem ihr mit den Rädern fahren dürft“!

Wow – mir bleibt die Spucke weg – ja stimmt die Dame hatte recht. Aber weshalb sagte sie das? hatten wir sie gestört, gefährdet, belästigt, oder einfach nur um ihr Recht gebracht?

Genau dieses Gefühl habe ich immer wieder, wenn ich vielleicht 1 oder 2 mal im Jahr Wanderern in Baden-Württemberg begegne, die mir nicht mit Toleranz und Freundlichkeit entgegen kommen. Es geht ihnen einfach nur um`s Prinzip!

Sie sind im Recht, sie haben das Vorrecht auf unseren Wegen! Immer noch erschüttert bin ich, wie unsere Landesregierung die Petition von fast 60.000 Bikern einfach so abgelehnt hat. Es sollten hinterher runde Tische gegründet werden usw.!

Wenn man nicht mehr weiter weiß Gründe einen Arbeitskreis?!

Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) setzt sich wie auch andere Mountainbiker ebenfalls seit Jahren für eine Abschaffung des Pauschalverbots ein – aber bisher gab es leider noch kein sichtbares Ergebnis, da sich anscheinend die Mehrheit der Landespolitiker nicht bewegen wollen.

Ja man hat also diskutiert – aber die 2-Meter-Regel gilt immer noch und steht wie in Stein gemeißelt am Wegrand und begleitet uns in unserem illegalen Sport.

Nehme ich Nino also mit auf seinem kleinen 20 Zoll Mountainbike auf kleine verwunschene Pfade, wo wir mehr als einmal anhalten um Ameisenbauten zu beobachten, Knabenkraut am Wegrand zu suchen, Spechte zuzuschauen wie sie hämmernd Musik in den Wald zaubern, sind wir in jeder Minute illegal unterwegs!

Mit meinem kleinen Sohn begehe ich eine Ordnungswidrigkeit – jede Fahrt, jeden Tag – wo ich auf naturbelassenen Singletrails in Baden-Württemberg unterwegs bin und das in einem Bundesland wo grün regiert wird.

Wir versuchen Nino in diesem Sport vor allem beizubringen, dass man sich respektvoll im Wald, in der Natur und bei der Begegnung mit Mensch und Tier verhält. Wir versuchen ihm die Schönheit dieser Welt zu zeigen, ihm beizubringen, dass man auf keinen Fall Abfall weg wirft, dass wir uns mit Demut und offenen Augen durch die Natur bewegen.

Gleichzeitig können wir Spaß haben auf unseren Mountainbikes, etwas für unsere Gesundheit tun, uns bewegen inmitten der Pflanzen- und Tierwelt, die meistens uns staunend beäugt und sicher sehr viel weniger Angst vor uns hat als vor einem Jäger.

Also was sage ich Nino sobald er älter wird? Dass wir hier in Baden-Württemberg keinen Mountainbikesport ausüben dürfen?!

Denn Mountainbiken ohne Trails gab es noch nie und wird es auch niemals geben. In der Umgebung bei uns versuchen Biker sich in Vereinen zu engagieren und mit Mühe und sehr viel ehrenamtlichen Einsatz Stunden um Stunden alternative offiziell ausgeschilderten Wege neu anzulegen. Was für Kosten für artenschutzrechtliche Gutachten, Eingriff-Ausgleichsbilanz, Wegplanung, Material auch für den Steuerzahler anfallen, wenn eine Gemeinde die öffentliche Genehmigung dafür einholt, will ich gar nicht wissen.

Auch könnte die Vielzahl der ehrenamtlichen Stunden sehr viel besser für die Unterhaltung des bestehende Wegenetzes genutzt werden – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich viele Wandervereine, die in der Vergangenheit mit viel Schweiß und Liebe die Wege unterhalten haben, sich sicher auch in der Zukunft mit dem Nachwuchs schwer tun könnten. Ein zusätzlicher Trailbau macht eventuell Sinn, um externe touristisch angereiste Biker zu kanalisieren, kann aber aus meiner Sicht für die heimischen Locals nur ein Zusatzangebot darstellen, die schon seit Jahrzehnten eh überall auf den vorhandenen Wegen unterwegs sind.

Ja und weshalb hat nun die Dame, die dem Dialekt zu urteilen noch nicht mal von hier stammte, uns diesen Satz an den Kopf geworfen?

Vielleicht weil sie einfach zu viel „Wer wird Millionär“ geschaut hat? Denn dort hat die 2-Meter-Regel ja im November 2016 traurige Bekanntheit erhalten, als die 500.000 Euro-Frage so lautete: „Wer muss beim Urlaub im Schwarzwald grundsätzlich die sogenannte 2-Meter-Regel beachten?“ Es gab 4 Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: Mountainbiker, Hundebesitzer, Wohnmobilfahrer und Nichtschwimmer. Damals wusste es die Kandidatin nicht und zog den 50:50-Joker. Nun konnte sie noch aus den übrig gebliebenen Antworten „Mountainbiker“ und „Nichtschwimmer“ wählen. Trotzdem benötigte sie noch ihren letzten Joker und rief ihren Sohn an, der Anwalt aus Heilbronn (Baden-Württemberg) war. Dieser tippte auf „Mountainbiker“, da er glaubte, diese müssten 2 Meter Abstand zu den Fußgängern halten. Die Kandidatin entschied sich für diese Antwort!

Aber ist das nicht grotesk genug? Hat also unsere etwas unfreundliche Bekanntschaft im Wald zu viel Fernsehen geschaut oder woher wusste sie davon, wenn es nicht mal der Anwalt aus Heilbronn wusste?

Oder ging es mal wieder einfach nur ums Prinzip? Denn sie hatte ja recht – wir dürfen diesen Pfad nicht fahren. Meine Erfahrung zeigt, bei den wenigen Begegnungen, wo ich diese Sätze zu hören bekomme – geht es niemals um die Sache, sondern immer nur ums Prinzip und um das Recht! Ich bin mir daher zu 100% sicher, dass wir ein noch sehr viel besseres Klima im Wald hätten, wenn wir, wie in anderen Regionen auch, mit Trailtoleranz, respektvollem Umgang und gemeinsamer Wegnutzung werben würde. Das beste Beispiel wie es sein sollte ist für mich immer noch Graubünden in der Schweiz. Noch nahezu nirgends hatte ich so nette Begegnungen mit Wanderern und tolle Gespräche auf gemeinsamen Wegen. Hier wird man sogar noch gefragt, ob ein Foto von einem gemacht werden soll..!

Was wünsche ich mir also?

Die meisten Biker die ich kenne sind Menschen, die Ruhe, Erholung mit Sport und Action kombinieren, aber durch die Bank weg das Beste für die Natur und den Lebensraum in dem sie sich bewegen erhalten wollen. Ich wünsche mir, dass das politisch endlich auch in Baden-Württemberg gesehen wird, dass das Potential des sanften Biketourismus genutzt und in die richtigen Bahnen gelenkt wird – indem die 2-Meter-Regel fällt und nur wenige Wege in wirklich sensiblen Bereiche des Naturschutzes für Biker gesperrt werden.

Ich wünsche mir außerdem, dass man die Mountainbiker mit anderen Augen betrachtet. Radsportler im Allgemeinen und dazu zählen auch Mountainbiker fahren nämlich sehr oft auch Rennrad und pendeln mit dem Rad in den Kessel – versuchen dabei so wenig wie möglich das Auto zu bewegen und können damit auch einen kleinen Beitrag zur Lösung der Feinstaubproblematik leisten. Alleine Micha ist letztes Jahr knapp 4.000 km mit dem Rad von Backnang nach Ditzingen gependelt – fragt nicht wie daneben und gefährlich diese Radverbindung ist – das ist ein anderes Thema…!

Wieso also sorgt die Politik nicht dafür, dass die Radbewegung endlich in allen Bereichen den Freiraum erhält, den sie verdient?

Im Juni berichtet auch die Stuttgarter Zeitung, dass Bundespolitikerin Judith Skudelny sich den Woodpecker-Trail in Stuttgart-Degerloch „runtergestürzt hat“. Mit dieser Aktion verfolgte sie das ganz bestimmtes Ziel, die Forderung nach einem Ende der baden-württembergischen Zwei-Meter-Regel zu untermauern. „Die überholte Regelung, dass Radfahrer im Wald nur Wege befahren dürfen, die breiter als zwei Meter sind, führe oft ungewollt in die Illegalität“, sagte Skudelny anscheinend nach der Aktion. Laut Stuttgarter Zeitung möchte sie sich nun auf Landesebene dafür einsetzen, dass die Regelung abgeschafft wird.

Ein Anfang würde ich sagen und ich hoffe also nur – es tut endlich endlich einen großen „Ruckeler“ in unserer Landespolitik!

Ich wünsche mir, dass die 2-Meter-Regel fällt, so dass ich Nino und anderen Kindern irgendwann mal sagen kann, wir haben den schönsten Sport der Welt. Auch Jugendleiter könnten dann endlich auch den Kindern offiziell die Grundsätze dieses Sports, aber auch die Schönheit der Natur, respektvolles Miteinander vermitteln, ohne dies im Rahmen der Illegalität und ohne Haftungsrisiko tun zu müssen.

Schon einmal habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt 2 Meter-Regel und was hat die mit dem Memorial Bike Day zu tun  man sieht irgendwie lässt es mich einfach nicht los.

Einen super schönen Bericht über Stuttgart in der man wunderbar „Kesseln“ kann, könnt Ihr hier nochmals nachlesen:

Trails um Stuttgart-Willkommen im Ländle!

Den Tag und die Tour werden wir trotz dem kleinen Intermezzo in super schöner Erinnerung behalten und haben ihn auf dem super genialen Pumtrack in Gerlingen ausklingen lassen.

Wenn ich einen letzten Wunsch frei hätte, dann würde ich mir für Backnang genau so einen Pumtrack wünschen, wo Kinder mit Laufrad, Roller, Fahrrad usw. bei jedem Wind und Wetter Spaß haben können.

Was sind Eure Gedanken und Meinungen zu diesem Thema? was ratet Ihr mir, wie wir mit diesem Thema umgehen sollen? Lohnt es sich immer wieder die Diskussion, die 2-Meter-Regel abzuschaffen, in die Öffentlichkeit zu tragen?

Glaubt Ihr die 2-Meter-Regel könnte sogar ein Auslöser dafür sein, dass es immer mehr Bikerfallen gibt? Bikerfallen, so geht es einem Opfer heute!

Wie immer freue ich mich, wenn Ihr fleißig mit diskutiert und mir Feedback gebt, sowie mir auf allen meinen Kanälen folgt, Euch in meinen Newsletter eintragt und uns auf unserer spannenden Bike-Reise begegnet.

Liebe Grüße an Euch, Jani &Micha mit Nino!

16 thoughts on “Biken in und um Stuttgart – warum mein Zuhause eine wahre Trailhauptstadt ist und keiner darüber spricht.

  1. Hallo, sehr schön geschrieben, mir gefällt der besonnene Ton. Wie habt ihr denn auf die Dame reagiert, was habt ihr geantwortet?

    1. Hallo Holger, Danke Dir für Deine Nachricht! Wir haben der Dame einfach gesagt: wir wünschen Ihnen einen schönen Tag noch und sind weiter gefahren! Diskussionen bringen da leider oft gar nichts und mit kleinen Kind dabei machen sie noch weniger Sinn ?GLG Jani

  2. Was für einen Schreib(aufst)wand du wegen einer einzigen Person. Dachte erst ihr seit richtig angegangen worden, aber das hier, naja :).
    Lohnt sich nicht.

    1. Hi Tim,
      Es geht nicht um das eine Kommentar sondern darum, dass wir in BW illegal unterwegs sind auch mein Kind und dass es – wenn es überhaupt Konflikte gibt mit Wanderern – aus meiner Sicht immer nur welche sind, wo es um’s Recht oder um’s Prinzip geht! Daher sollte die 2-Meter-Regel aus meiner Sicht endlich abgeschafft werden! Aber schön, dass Du Dir die Zeit nimmst mit zu diskutieren auch wenn Dir der Beitrag nicht gefällt! LG Jani

  3. Hey
    Bin zufällig auf den Blog gestoßen. Es nervt einfach nur wie die Wanderer auf ihr Dasein pochen, denn ich wurde schon blöd angemacht obwohl ich mein MTB geschoben hatte. Und wenn ich ganz vorsichtig vorbei fahre. Und sie mich von vorne schon sehen. Aber in 11 Jahren hier im Schwarzwald waren es 4 Begegnung die doof waren und ? die super verlaufen sind. Denn immer Respekt zollen und freundlich Grüßen, mehr kann ich auch nicht machen da ich eh weiß die Wanderer sind im Recht. Da ich 2 Hunde habe, laufe ich auch öfters in den Bergen, hatteauch schon mit einem rücksichtslosem MTBer zu tun. Als ich ihn dann zur Rede stellte und er mitbekam das ich selbst Biker bin entschuldigte er sich und gut war es für ihn. Hab dann das Gespräch gesucht und er hat eingesehen was er falsch gemacht hat.
    Viel Glück beim nächsten Mal

    1. Hallo Yves, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Bei uns ist es auch so, dass wir wahrscheinlich 99 % positive und auch total nette Begegnungen mit allen Outdoormenschen auf Trails haben. Und tatsächlich wird bei uns wenn gemeckert wird nur gemeckert weil die Wanderer im Recht sind und wir tatsächlich einfach dort nicht fahren dürfen. Gestört haben wir aber niemand. Ich sehe es wie Du – der Schlüssel zum positiven Miteinander ist es sich respektvoll und rücksichtsvoll zu begegnen und das tut man eher, wenn alle Gleichberechtigt auf den Wegen unterwegs sind! Na klar gibt es auch Biker denen man mal benehmen beibringen sollte, aber solche Menschen gibt es in allen Bereichen. Ich hoffe einfach auf eine gleichberechtigte und tolerante Wegnutzung und einem respektvollem Miteinander und dass unsere Politiker erkennen – das nur das der richtige Weg sein kann und die 2-Meter-Regel doch noch irgendwann kippen. Viel Spaß Dir bei Deinen Touren und mit Deinen Hunden, hab eine ganz tolle Zeit und Liebe Grüße, Jani!

  4. Servus 😉

    Ja manchmal gibt es diese komischen Situationen, ich hab die Erfahrung gemacht das es meistens gut klappt wenn man mit Schrittgeschwindigkeit vorbeirollt und nett Grüßt. Aber wurde dann auch trotzdem schon blöd angemacht…

    Ihr könnt mal den Panzertrail bei Böblingen ausprobieren! Da könnt ihr bestimmt auch euren Kleinen mitnehmen 😉
    Ist auf dem Gelände der Panzerkaserne der Amis, deswegen denke ich das die 2 Meter Regel da nicht zählen sollte 😉

    Wenn ihr ihn nicht kennt, kann ich auch gerne mal guiden!

    1. Hallo Tim,
      danke Dir für Deine Nachricht! Ja da hast du allerdings recht manchmal ist es schon komisch man grüßt freundlich und es bringt trotzdem nichts ?vielen vielen Dank für deine Einladung falls wir in diesem Herbst noch Zeit haben kommen wir vielleicht tatsächlich auf Deine Einladung zurück wir sind immer happy neue Trails kennen zu lernen ?Vielen Dank Schonmal und liebe Grüße, Jani!

  5. Leider wird in der Diskussion um die 2-m-Regel oft vergessen, dass die allermeisten Trails auch ohne diese weiterhin illegal wären – es handelt sich nämlich nicht um vom Waldbesitzer gewollte Wege, sondern um von Bikern angelegte Fahrspuren. Aber ohne 2-m-Regel wäre über die Legalisierung solcher Trails sicherlich einfacher zu diskutieren.
    In Stuttgart ist halt das Problem, dass so viel Fläche Naturschutzgebiet ist – wie Du schreibst wäre es schon gut solche Bereiche auszulassen. Das trifft aber dann auch den ganzen Rotwildpark etc.

    1. Hallo Manu,
      vielen Dank Dir für Deine Nachricht. DU hast natürlich recht, dass der Wegfall der 2-Meter-Regel nicht das alleinige Allheilmittel ist! Natürlich müssen auch die Biker aufhören neue Wege zu bauen und es muss Rücksicht auf die Natur genommen werden! Natürlich ist die Erholungsfunktion innerhalb von Naturschutzgebieten zweitrangig aber sicher auch nicht ganz ausgeschlossen! Ich bin mir sicher ein Miteinander ist zumindest teilweise auch innerhalb einzelner Naturschutzgebiete möglich, so lange die Wege nicht verlassen werden! Wie sonst sollte das Biken in vielen Teilen Graubündens in der Schweiz möglich sein! Natürlich müssen vielleicht einzelne Wege, die durch Biotope oder durch Gebiete gehen, wo geschützte Arten der roten Liste gefährdet werden gesperrt werden aber ein pauschales Verbot halt ich für völlig daneben gegriffen! Die zahlreichen Spechte, die ich mit meinem kleinen Sohn Nino gesehen habe auf unseren Touren haben sich auf alle Fälle nicht gestört gefühlt und direkt über unsere Terrasse hat vor 3 Jahren ein Buntspecht seine Höhle in unseren Kirschbaum gehackt! Wer also meint die Tiere gewöhnen sich nicht auch an den Menschen der irrt sich aus meiner Erfahrung heraus gewaltig! Ich bin also gespannt was die Zukunft bringt und würde mir wünschen, dass die deutsche Landespolitik vielleicht auch einmal z.B. die Tourismusagentur Allegra aus der Schweiz einlädt und anhört wie das dort gehandhabt wird..! Na klar sind neue Wege in einer Raumplanung zu berücksichtigen vor allem wenn sie von Tourismusseite her beworben werden sollen! Ggf. Muss hier auch eine -Eingriff-/ Ausgleichsbilanzierung erfolgen! In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Wochenstart, Liebe Grüße Jani

  6. Hallo zusammen,
    den Aussagen von Manu kann ich nur beipflichten.
    Die 2-m-Regel abzuschaffen würden kaum etwas bringen – das entschärft nur 10% der bereits genutzen „Trails“ unter 2-m Breite. Als begeisterter Förster, Jäger und Biker kann ich nur sagen, dass ich immer wieder auf einen Punkt stoße – der da lautet: “ Es gibt nicht das EINE Gute.“
    Es gilt einen Konsens zu finden – da heißt: wir müssen uns aufeinander ZU bewegen (z.B. Radfahren im Rotwildpark nur auf den Fahrwegen…)
    Damit einhergehend sollte Verantwortung übernommen werden und Verständnis für den Anderen muss reifen.
    Der Trend in unserer Gesellschft ist geprägt von Globalisierung und vor allem INDIVIDUALISIERUNG. Jeder will sein Ding machen bzw. fahren…hauptsache es tut MIR gut. Gemäß dem Grundsatz. „Alles kann – alles Muss.“
    Ich freue mich, dass die Biker sich landesweit in Vereinen langsam formatieren und Verantwortung übernehmen möchten. Leider reicht schon ein verrückter Biker aus der Reihe tanzt um alle konstruktive Arbeit zu zerstören…

    1. Lieber Robby,
      Vielen Dank auch Dir für Deine Meinung. Ich habe eben eine lange Antwort an Manu da gelassen und weiß nicht ob du sie schon gesehen hast? Ich bin in jedem Fall ganz bei Dir und finde es muss im Wald gegenseitig Rücksichtsnahne, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein für die Natur herrschen – das Problem das ich dabei sehe ist eben, dass es das nicht geben kann so lange ich eine Nutzergruppe pauschal durch die 2-Meter-Regel ausschließe! Denn dann ist es wie es jetzt ist – jeder MTB Fahrer ist bereits jetzt schon illegal unterwegs – weshalb sollte er sich also an Regeln halten… ich glaube wirklich, dass viele so denken und genau daher so einfach gar nichts erreicht wird! Eine Diskussion über Wegnutzungen und gegenseitigen Respekt hat aus meiner Sicht langfristig nur Erfolg wenn sich alle auf Augenhöhe begegnen und die kategorische Illegalisierung des Mountainbikesport endlich fällt! Ganz bei dir bin ich, dass es leider immer einige gibt die aus der Reihe tanzen werden – aber deshalb verbieten wir ja auch kein Autofahren…! Die gibt es leider in allen Bereichen überall auf der Welt! Wenn Wege und Wegnutzung mit Rücksichtnahme und gegenseitigem Respekt beworben werden erreicht man aus meiner Sicht sehr sehr viel mehr zumindest lebt uns das Graubünden so vor weshalb soll das nicht auch bei uns möglich sein? Ich freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast und bin über jede konstruktive Diskussion sehr dankbar! liebe Grüße Jani!

  7. Meiner Meinung nach darf die 2m-Regel nicht fallen, schon gar nicht, bevor es eine umfassende andere Regelung gibt, und ich bin gespannt, ob ich jetzt hier einen Shitstorm dafür ernte.
    Natürlich ist es zu begrüßen, wenn Menschen Sport im Freien für sich entdecken, wenn sie die Natur auch als Aufenthaltsort schätzen und schützen, sich dabei fit halten und eventuell sogar das Gesundheitssystem entlasten. (Ich bezweifle aber, dass Mountainbikeabfahrten unter Medizinern so eingeschätzt werden. Mein Neffe wenigstens hat sich beim Downhill das Bein gebrochen.)
    Ich finde die schöpferische, soziale und politische Energie toll, die Teile der Mountainbiker an den Tag legt. Es sollte sogar gefördert werden, dass diese sich entfaltet, aber eben in einer umwelt- und gesellschaftsverträglichen Art.

    Jani: „Wir versuchen Nino in diesem Sport vor allem beizubringen, dass man sich respektvoll im Wald, in der Natur und bei der Begegnung mit Mensch und Tier verhält.“ Vielleicht begutachtet ihr jeden Pfad sorgfältig, wie gut er die Nutzung mit eurem Sportgerät verträgt und verzichtet deshalb auch auf Abfahrten, wo es nicht so gut aussieht. Aber ich fürchte, eure Vorstellung von einem respektvollen Umgang nützt dem Wald oder seinen anderen Nutzern überhaupt nichts. Da sind wohl auch einige Vorgänge und Bedingungen unbekannt, die ein gesunder Wald braucht. Ich vermutete dahinter eine verbreitete Auffassung, dass ‚die große Erde das schon aushält‘. Das ist ein Irrtum. Gerade ein als Naherholungsgebiet hoch frequentierter, städtischer Nutzwald ist ein sensibles Ökosystem, insbesondere der Waldboden. Viele der Pfade vor allem an Hängen müssten eigentlich schon als Wanderwege besser befestigt sein. Sie sind überhaupt nicht dafür geeignet, das Befahren, Bremsen und Rutschen von zahlreichen Mountainbike-Stollen auszuhalten. Das ist eine weit höherer Belastung als sie Wildherden verursachen. Natürlich sieht man keine verschreckten Tiere, weil die dann schon weg sind oder gar nicht erst wieder kommen. Unter Naturschutz stehende Feuersalamander und Kröten, gewöhnen sich nicht daran von Mountainbikern zu spät oder gar nicht bemerkt und von deren Rädern überrollt zu werden. Wanderer nehmen auch nicht gerne einen unschönen ,umgepflügten‘ Weg, wo das Gehen mühsam ist, und man damit rechnen muss, dass ein heran rauschender Biker nicht rechtzeitig bremsen kann oder einen mit „Aus dem Weg!“ oder ähnlichem anpflaumt. (Alles schon erlebt). Respekt heißt vielfach auch zu verzichten und die Natur in Ruhe zu lassen.
    Jani: „Die meisten Biker die ich kenne sind Menschen, die Ruhe, Erholung mit Sport und Action kombinieren, aber durch die Bank weg das Beste für die Natur und den Lebensraum in dem sie sich bewegen erhalten wollen.“
    Das ist dann wohl alles andere als repräsentativ, zumindest dem Ergebnis nach zu urteilen, dass in Stuttgart zu sehen ist. Ich fahre selbst Mountainbike, aber eben nicht Wege, die darunter leiden. Ich wohne auch schon lange in einer Ecke Stuttgarts, wo viele Wege als Trails missbraucht werden. Ich konnte beobachten, wie aus kleinen Wanderpfaden ausgefahrene Rinnen wurden. Die werden auch wegen der starken Frequentierung für manche Lebewesen zum unüberwindlichen Hindernis. Ich bin schockiert, wie immer weitere Lehmpisten durch den Wald gebahnt werden. Das fühlt sich an, wie wenn jemand mit der Planierraupe durch den geliebten Garten fährt. Ich sehe wie dort bei Niederschlag der Schlamm runter läuft. Ich kenne den ‚Geröllacker‘ der Downhillstrecke in Bad Wildbad. Da werden die häufiger zu erwartenden Starkregen sicher noch einiges in Bewegung setzen. Ich begegne denen, die nachts johlend, den Wald mit Ihren Superscheinwerfern hell erleuchten. Dann ist der frühsommerliche Spaziergang zwischen Glühwürmchen einfach futsch. Rehe sehe ich keine mehr in der Heidenklinge. Es werden Bäume abgesägt, Grenzsteine und Kleindenkmale für Schanzen und ähnliches verbaut. Ich bin fassungslos, darüber, wie dieses illegale und naturverachtende Verhalten auch noch in online-Portalen wie diesem international beworben wird. Das ist zweifellos eine gravierende Störung des Waldlebens. Unterschiede zu Graffity und anderem Vandalismus an Gemeinschaftseigentum ist das kaum auszumachen. Offensichtlich ist der Anteil der besonnenen Mountainbiker nicht groß oder stark genug, um ein anderes Bild zu erzeugen.
    Ich sehe in den Bikerfallen auch die Verzweiflung derer, die die Natur bedroht und ihre Interessen mit Füßen getreten oder besser mit Stollenreifen überfahren sehen und nun selbst Hand anlegen, wie die Mountainbiker es vorher getan haben. Diese bewusste Gefährdung von Gesundheit und Leben der Biker muss natürlich bestraft werden. Aber es müssen eben auch Gefährdungen und Schäden durch die Mountainbiker unterbunden und die Wünsche anderer Nutzer des Waldes und vorallem das, was zum Erhalt seiner Schönheit und Funktion notwendig ist, berücksichtigt werden.
    Ich war vor einigen Jahren in den Bezirksbeiratssitzungen, als es um die rasch zunehmenden Trailfahrer und die geplante offizielle Downhillstrecke ging. Die Menschen habe sich einfach bedroht gefühlt von den über den Kinderspielplatz flitzenden, unter den Helmen und Brillen kaum zu erkennenden Mountainbikern. Die Mountainbiker haben diese Ängste ignoriert. Schließlich wurde der Auslauf des öffentlichen Trails (wahrscheinlich auf meine Anregung hin) an der Hauptstraße entlang gelegt, damit das verkehrsberuhigte (Schrittgeschwindigkeit) Wohngebiet umfahren wird. Wenn ich geschäftlich oder zum Arzt nach Degerloch muss, kann ich an der Zahnradbahn lange warten, bis ich einen Platz auf dem Fahrradtransportwagen bekomme, den die Mountainbiker als Lift zum Start der Downhillstrecke benutzen. Ich könnte noch viele andere Beispiele nennen.

    Und Ja, es geht auch um’s Prinzip.
    Gesellschaften stellen seit Jahrtausenden allgemeinverbindliche Regeln auf, weil es sich bewährt hat. So gut diese gestaltet sind und vor allem so gut sich die Menschen an diese Regeln halten und rücksichtsvoll gegenüber der Gemeinschaft und der Natur sind, so gut ist das Zusammenleben bei aller Individualität möglich. Wir sehen überall, welcher Schaden und Unmut entsteht, wenn Menschen sich eigenmächtig über diese Regeln hinwegsetzen. Diese Regeln werden permanent weiterentwickelt und den aktuellen Bedürfnissen und Notwendigkeiten angepasst. Jeder kann an der Gestaltung teilnehmen*. Auch die 2m-Regel hat nicht ein Jäger beim Schützenfest im Vollsuff erdacht. Der ging ein Abwägungsprozess voraus, maßgeblich geführt von demokratisch (leider nur mit ~55% Beteiligung) gewählten Volksvertretern. In dem wurde befunden, dass es besser ist, wenn die damals noch viel selteneren Fahrräder nicht auf schmaleren Wegen fahren. In Baden-Württemberg sind die zweifellos auch ganz anders beschaffen als in Graubünden, das ein Drittel so viele Einwohner hat wie Stuttgart, mit 10% der Bevölkerungsdichte Baden-Württembergs. Man kann das nicht einfach vom Tisch wischen, weil es einen an bestimmten Stellen daran hindern soll sein Vergnügen auszutoben. Dem muss auch mindestens soviel Respekt entgegenbebracht werden, wie man für seine eigene Arbeit erwartet. Sicher, durch das illegale Verhalten, sind erst Probleme zu Tage getreten und es wurde ein Veränderungsprozess angestoßen. Es wäre auch anders gegangen, wenn Mountainbiker sich informiert und bewusst gemacht hätten, was erlaubt ist, und was ihr Sport für Auswirkungen auf die Natur und andere Waldnutzer hat. Sie hätten sich zusammentun und sich selbst Grenzen setzen können, um die Interessen vieler Mitmenschen und die Natur, die sie angeblich so lieben, zu schützen. Dann wäre das von der übrigen Gesellschaft und ihren Politikern wahrscheinlich weitgehend so übernommen worden. Ich sehe in diesem Beitrag und den Kommentaren leider keine Bereitschaft dazu. Es wird nur freie Fahrt gefordert, wie von der Autofahrerpartei.
    Erst im letzten Jahrhundert kam eine Umweltschutzbewegung auf, um zu verhindern, dass die Menschheit ihre eigene Lebensgrundlage zerstört. Seit vielleicht 30 Jahren zeigen sie langsam Wirkung und erste Erfolge. Aber wir sind noch weit davon entfernt, den Klimawandel abzubremsen oder anderes fortschreitende ökologische Desaster, wie das Bienen-, Singvögel- und Artensterben zu verhindern, die nachhaltig unsere Lebensqualität bedrohen. Es gibt keinen geschlossenen Stoffkreislauf bei Fahrrädern. Schuhe und Reifen hinterlassen Mikroplastik mit ungeahnten Folgen. Der Wald wird es noch schwer genug haben durch Hitze, Trockenheit und Starkregen. Dem müssen wir unser Freizeitverhalten anpassen.
    Ich bin durchaus einverstanden und bereit mich dafür zu engagieren, dass Mountainbiker zahlreiche geeignete Strecken in und um Stuttgart bekommen und würde sie auch nutzen. Ich fände es gut, wenn sie dann auch für die Instandhaltung und Beschilderungen aufkämen, wie Wandervereine und Skifahrer das auch machen. Eine pauschale Freigabe geht meines Erachtens gar nicht. Es muss genauso, den Fußgängern und dem Waldleben vorbehaltene, Bereiche geben. Und es wäre schön, wenn man die dann nicht mit Zäunen und Radbarrieren absperren müsste, sondern die Mountainbiker freiwillig auf denen mit ihnen ausgearbeiteten Strecken* blieben und auch die Zivilcourage aufbrächten, Sportkollegen mal die Meinung zu geigen, wenn die sich daneben benehmen und nicht an die Vereinbarungen halten.

    *https://www.stuttgart.de/leben/natur/wald/freizeitkonzept/freizeitkonzept-stuttgarter-wald.php

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